Appetit auf Innovation

Appetit auf Innovation

Dezember 2019

Bühler hat sich ambitionierte Ziele gesetzt: Der Technologiekonzern will bis 2050 einen Beitrag dazu leisten, die Ernährung der Menschheit sicherzustellen. Der grösste Produktionsstandort des Schweizer Unternehmens befindet sich in China. Die Fabrik in Liyang führt eindrücklich vor Augen, weshalb Bühler hier Marktführer ist.

Liyang ist auf den ersten Blick eine typische chinesische Industriestadt. Doch die Stadt wächst schneller als andere. 2017 zählte Liyang 762'500 Einwohner. Mittlerweile hat die Provinz das höchste Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf im ganzen Land. 

Der Schweizer Produktionschef Raffael Eggmann arbeitet seit 18 Jahren bei der Bühler Group.
Der Schweizer Produktionschef Raffael Eggmann arbeitet seit 18 Jahren bei der Bühler Group.

Ambitionierte Mission 

Raffael Eggmann hat alle Hände voll zu tun, denn Bühlers Mission ist ambitioniert. Der Konzern hat ein grosses Problem der Menschheit im Visier: Bis 2050 gilt es, zehn Milliarden Menschen zu ernähren und ihre Mobilität sicherzustellen. Als einer der Technologieführer der Lebensmittelindustrie sieht sich Bühler in der Pflicht, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass dies auch gelingt.

Bühler hat rund um die Welt Standorte aufgebaut, um in enger Zusammenarbeit mit Kunden innovative Lösungen für die Nahrungsknappheit zu entwickeln. Eines der Ziele ist es, Ernährungsprofile zu optimieren, zum Beispiel durch Hülsenfrüchte: Erbsen, Bohnen und Linsen dienen als proteinreiche und glutenfreie Basis für Mehle, Teigwaren und Fleischersatzprodukte. Zudem entwickelt Bühler Lösungen für die industrielle Herstellung von Rohmaterialien auf der Basis von Insekten und Algen. Diese sind eine wertvolle Proteinquelle, benötigen jedoch deutlich kleinere Anbau und Zuchtflächen als traditionelle Lebensmittel.

Die Fabrik in Liyang ist auf Systeme für die Produktion von Lebensmitteln und Tierfutter sowie für die Getreideverarbeitung spezialisiert. Bühler ist in diesem Segment führend auf dem chinesischen Markt. Nicht weniger als 80 Maschinen verlassen Tag für Tag die Produktionsstätte. Rund 60 Prozent der Produktion sind für den chinesischen Markt, 15 Prozent für Südostasien und 25 Prozent für den Rest der Welt.

Die Fabrik Liyang wurde im September 2017 in Betrieb genommen: Die Lean-Produktion und der Kanban-Ansatz haben höchste Priorität. Tag für Tag verlassen rund 80 Maschinen die Produktionsstätte.
Die Fabrik Liyang wurde im September 2017 in Betrieb genommen: Die Lean-Produktion und der Kanban-Ansatz haben höchste Priorität. Tag für Tag verlassen rund 80 Maschinen die Produktionsstätte.

Massgeschneiderte Automationslösung 

Wie in den meisten asiatischen Fabriken haben in Liyang die Lean-Produktion und der Kanban-Ansatz oberste Priorität. Hinzu kommt ein hoher Automatisierungsgrad. Augenfällig sind die Automated Guided Vehicles (AGV): autonome Fahrzeuge, die zielstrebig Linien auf dem Boden folgen und sich automatisch an Wagen mit Blechen andocken. Auch neben der Laserschneidmaschine von Bystronic steht ein solches Fahrzeug. Ein Roboterarm mit Saugnäpfen hebt das Blech vom Wagen auf den Wechseltisch.

«Automationslösungen variieren von Maschine zu Maschine», sagt Jack Jia, Key Account Director von Bystronic. «Die Maschinen selbst sind zwar standardisiert, aber beim Be- und Entladen gibt es von Fall zu Fall Unterschiede.» Eine Standardlösung konnte die Anforderungen von Bühler nicht erfüllen. Das Problem: Das Be- und Entladesystem musste mit der Stanzmaschine eines anderen Herstellers kompatibel sein. Eine massgeschneiderte Lösung aus Europa wäre zu kostspielig und zeitaufwendig gewesen.

Also hat Bystronic mit dem lokalen Anbieter VT Robot Kontakt aufgenommen, um das Be- und Entladen mittels Vakuumsaugern zu ermöglichen. Die erstmalige Zusammenarbeit trug Früchte: Mittlerweile arbeitet Bystronic auch bei anderen Projekten mit VT Robot zusammen.

Die Fabrik in Liyang ist auf Systeme für die Produktion von Lebensmitteln und Tierfutter sowie für die Getreideverarbeitung spezialisiert.
Die Fabrik in Liyang ist auf Systeme für die Produktion von Lebensmitteln und
Tierfutter sowie für die Getreideverarbeitung spezialisiert.

Mehr Tempo mit weniger Energie

Dank der massgeschneiderten Automationslösung dauert es nur noch eine Minute, bis das geschnittene Blech entladen ist und das nächste Blech auf der Maschine liegt. Und auch der Schneidprozess selbst ist dank der neuen Laserschneidmaschinen, einer ByJin Fiber 3015/3000 und einer ByJin 3015/4400, kürzer geworden: «Der neue Faserlaser ist 50 Prozent schneller und der neue CO2-Laser 20 Prozent schneller als die alten Maschinen», sagt Raffael Eggmann. Ein weiterer Vorteil sei der geringere Energieverbrauch, insbesondere beim Faserlaser.

Laser-Operateur Lu Bing bereitet auf dem Touchscreen gerade den nächsten Schneidprozess vor. «Die neue Maschine ist einfacher zu bedienen als die alte, weil sie smarter ist und mich besser unterstützt», erklärt Lu. Auch die Stillstandquote ist erfreulich tief, sie beträgt lediglich zwei Prozent. Zusammen mit Jack Jia von Bystronic möchte Raffael Eggmann nun «Predictive Maintenance» einführen. Die vorausschauende Wartung mithilfe intelligenter Technologien soll helfen, die Stillstandzeiten noch weiter zu reduzieren.

Mit der eindrücklichen Fabrik in Liyang prägt Bühler den Speiseplan der Bevölkerung mit. Vieles, was in den Provinzen Chinas auf dem Teller landet, wurde mit den Maschinen von Bühler verarbeitet. Und wenn der Konzern seine Vision zielstrebig umsetzt, dürften die Technologien des Schweizer Unternehmens auf lange Frist die Essgewohnheiten der gesamten Menschheit beeinflussen.

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